antville

Tja, eigentlich leben wir alle in einem grossen Ameisenhaufen…

Hier also z.B. ein Weblog, wo die Leute abgelichtete CD Cover als Dominosteine anlegen.
Irgendwie schon schräg, sinnentleert wie aber auch sympatisch…

Jean-Paul Bourelly

Zwei Tage spielen Jean-Paul Bourelly’s VIBE MUSIC in Berlin. Der Laden in der Oranienburger ist eigentlich eine dieser öden Trinkhallen, wo sich die Jugend im trunken Gemeinschaftsrausch möglichst schnell die Biere reinschüttet. Aber halt, da hinten geht eine Treppe in den Keller, also doch nochmal gerettet!
Wieder einmal hat sich nur eine Handvoll Eingeweihter versammelt, wo einige der besten Musiker aus Berlin, New York und anderswo aufspielen. Melvin Gibbs habe ich ja gerade mit Arto Lindsay gesehen; dann noch Felix Sabal-Lecco am Schlagzeug – der Mann verbindet aufs Vortrefflichste straighten Rock und African Beats. Und dazu paßt die zweite Gitarre von Nazim Haznoui aus Marokko. Als Gast kommt noch ein Schwarzer auf die Bühne, der einige Stücke singt und Conga spielt. Den Namen habe ich aber vergessen oder mangels Arabischkenntnissen nicht richtig mitbekommen. Jean-Paul Bourelly braucht viel Liebe an diesem Abend (er wirkt etwas abgekämpft) und die bekommt er auch. Er präsentiert ein erfrischendes Programm aus knallharten Gnawa-Funk-Jazzrock-Rap mit einer klaren politischen Message (gegen Bush) und am Schluß gibt es auch noch eine unplugged Nummer.

Blurt/Loopspool

Am Freitag spielten Blurt im Knaack Klub. Im Vorprogramm Loopspool – ein Typ mit Laptop, der mit Ted Milton auch schon zusammen eine Platte gemacht hat. Der Saal ist ziemlich leer und dazu passen auch die einsamen Elektronik Beats, die den Raum zum Vibrieren bringen. Nur, das ist mir jetzt aber zu modern oder? Weshalb bin ich eigentlich hier – eigentlich wollte ich ja die Musik von vor zehn, zwanzig Jahren nochmal hören oder? Obwohl, das ist immer gefährlich, meistens wird man dann doch nur enttäuscht weil 2004 ist nun mal nicht 1984 und Punk längst zu MTV-Geschrammel mutiert. Doch nicht so bei Blurt – die Herren entern souverän die Bühne und liefern mit professioneller Gelassenheit und einem Schuß Selbstironie eine Show ab, die alle Anwesenden mitreisst. Am Schluß, nachdem Andreas Gerth und Ted Milton nochmal gemeinsam ein Stück zum Besten gegeben haben, die ganzen alten Hits: „Empty Vessels“, „The Fish Needs A Bike“ und und und… Wer jetzt nicht tanzt, gehört wirklich ins Altersheim!

Tom Waits

Tja, darauf hat man Jahre gewartet…
Endlich den schrulligen Entertainer mal live gesehen. Das war schon Klasse und auch eigentlich die 90 Eu wert: Eine super Akustik im TdW, eine formidable Band (Marc Ribot sowieso – würde ich mir auch Solo angucken; Larry Taylor am Kontrabass – hat, glaube ich, mal bei Canned Heat gespielt – und Brain Mantia an Trommeln und div. Percussionsinstrumenten). Obwohl das Programm fast nur aus neuen Songs besteht, d.h. von die letzten drei Platten: „Mule Variations“, „Alice“ und „Real Gone“, ist alles dabei was man kennt. Weil es gibt ja eigentlich nur drei oder vier Stücke von ihm: 1. das Jazzige, 2. das manisch Rhythmische, 3. Das mit Harmonium und vielleicht noch 4. das american-folkig-melodiöse. Zwei Stunden mit drei Zugaben was will man mehr?

Arto Lindsay

Gestern war Arto Lindsay im Tränenpalast.
Punkt Neun ging es los. Arto in der Mitte mit seiner
12SaitenKrachDanElectro, Melvin Gibbs an Bass und Sampler
zu seiner linken und ein voll cooler Keyborder/Saxophonist
auf der anderen Seite. Die alten Stücke sind kaum wiederzuerkennen.
Es wird zerfetzt und gepitched bis die iBooks heisslaufen…
Vielleicht war es diesmal weniger groovend aber dafür bestimmt
bewußtseinserweiternd für die Ohren. Alles in allem ein schöner Abend.

TEMPO

tempo72.jpgDank des Flyers, der mir unverbindlich zugespielt wurde, bin ich dazu verleitet worden ins Quasimodo zu tapern, wo die legendäre Westberliner Power Pop / Punkband „TEMPO“ sich die Ehre gibt.
Ist schon komisch, nach einem Vierteljahrhundert raufen sich die mittlerweile graumelierten Musiker um Bandleader Herrn Radszuhn (Musikchef bei Radio Eins) nochmal auf und rocken durch’s Garageland.
Das Publikum besteht zur Hälfte aus Mittvierzigern, die entweder Senatsrockbeauftragt dabei sein müssen oder Frührentner-mäßig mal wieder aus ihren Löchern kommen, und zur anderen Hälfte aus deren inzwischen erwachsen gewordenen Kindern.
Aber – die Mucke ist echt geil! Schade nur, dass die Kondition der Herren nicht mitspielt (oder fehlen die richtigen Drogen?) und so ist nach einer Stunde gnadenlos Ende der Vorstellung. Es gibt aber ein Doppelvinyl mit alten bisher unveröffentlichten Stücken in Luxusausstattung aber dafür reicht leider mein Geld nicht mehr.

Die schönen Morgengedanken

Mein Lieblingsradiosender bringt jeden Morgen einen sinnreichen Spruch für den Tag. Heute z.B.:
Aktionäre sind dumm und frech: Dumm, weil sie Aktien kaufen,
und frech, weil sie Dividende haben wollen.
Carl Fürstenberg, Bankier
Nachzulesen auch auf der Radio Eins – Homepage.
Schade nur, daß das Skript auf der „Schönen Morgen“ – Seite unter Safari nicht funktioniert…