Zeitungsartikel voll von Wiederholungen

Subject: Zeitungsartikel voll von Wiederholungen
From: Rade Kutil
Date: Sat, 7 Mar 2009 00:38:49 +0100
Message-ID: <20090307003849.60c8ff2b@kakadu.cosy.sbg.ac.at>
Newsgroups: de.etc.sprache.deutsch

Zeitungsartikel voll von Wiederholungen

Dass Zeitungsartikel voll von Wiederholungen sind, das behauptet der
österreichische Usenet-Poster Rade Kutil. Mit einer Studie will er
einen eklatanten Anstieg von inhaltlichen Wiederholungen in Artikeln
aus Zeitschriften und anderen Medien festgestellt haben. Die Studie
zeige, dass sich teilweise wörtlich gleiche Inhalte innerhalb des selben
Artikels mehrfach finden. Dieser Trend sei in den letzten Jahren immer
stärker zu beobachten.

Salzburg. Nachdem in einleitenden Absätzen der Inhalt eines Artikels
meist schon vollständig beschrieben ist, beginnt der Artikel mit
unnützen Nebensächlichkeiten das Thema von vorne neu zu beleuchten,
gefolgt von Inhalten, die teilweise wörtlich mit dem einleitenden
Absatz übereinstimmen und sich später mehrfach im Artikel
wiederholen. Das behauptet zumindest der österreichische
Usenet-Poster Rade Kutil in seiner Studie über inhaltliche
Wiederholungen in Artikeln aus Zeitschriften und anderen Medien.

Eine beliebte Methode, solche Wiederholungen natürlich wirken zu
lassen, sei die direkte Rede. Kutil: “Es ist erstaunlich. Ein und
dieselben Aussagen werden schamlos im selben Artikel wieder und
wieder verwendet, zum Beispiel in direkten Reden.” Dass eine tiefere
Erörterung des Themas dabei auf der Strecke bleibt, sei die logische
Konsequenz, so Kutil.

Informationen aus dem Zusammenhang gerissen

Wichtige Informationen werden hingegen wie zufällig zwischen
Wiederholungen eingestreut. So aus dem Zusammenhang gerissen, seien
sie schwer interpretierbar und führten zu Missverständnissen. 45%
aller Artikel seien schwer und 37% sogar massiv von diesem Problem
betroffen. Kutil: “Wenn Informationen aus dem Zusammenhang gerissen
beliebig in den Text eingestreut werden, dann sind sie sehr schwer zu
interpretieren und führen automatisch zu Missverständnissen.”

Tausende Artikel hat der Studienautor für seine Studie auf textliche
und inhaltliche Wiederholungen überprüft. Die Wiederholungen werden
immer schamloser, sagt Kutil. Dadurch werden Artikel aufgebläht und
ersparen dem Autor eine Menge Schreibarbeit und Recherche. Kutil:
“Recherche ist bei dermaßen aufgeblähten Artikeln natürlich nicht mehr
notwendig. Das ist möglicherweise auch der Grund dafür, dass die
Wiederholungen immer schamloser werden.” Über die Ursachen der
vermehrten Wiederholungen kann die Studie jedoch keine direkte Aussagen
treffen, so Kutil.

Zwischenüberschriften erhöhen die Redundanz weiter

Wenn so schon immens viel Platz mit minimalem Inhalt gefüllt werden
kann, dann ist dieses Ziel durch Einfügen von Zwischenüberschriften
noch leichter zu erreichen. Sie verbrauchen mehr Platz und dienen
einzig dem Zweck, Schlüsselsätze aus dem Text zu wiederholen.
“Zwischenüberschriften erhöhen die Redundanz eines Artikels weiter,”
erklärt Kutil, “ihr einziger Zweck ist es, Schlüsselsätze aus dem Text
zu wiederholen. Sie verbrauchen außerdem mehr Platz.”

Wiederholungen ziehen sich bis zum Ende des Artikels durch. Hier wird
meist die allgemeine Informationslage für mit dem Thema nicht vertraute
Leser aufbereitet. Diese würde jedoch durch den Artikel in der Regel
ohnehin implizit vermittelt. Das Ergebnis sei ein von Anfang bis zum
Ende durch fast wörtliche Wiederholungen aufgeblasener und daher an
Inhalten armer Artikel, der einen maximalen Platz mit minimalem Inhalt
füllt.

Der Usenet-Poster Rade Kutil studiert seit Jahren tausende Artikel aus
Zeitschriften und andern Medien mit dem Ziel, einen eklatanten Anstieg
an fast wörtlichen Wiederholungen nachzuweisen. Er will damit der
stärker werdenden textuellen Aufgeblähtheit und inhaltlichen Armut von
Artikeln Fakten entgegensetzen und ruft zu einem Umdenken auf.

Rade

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