1983

Was bisher geschah (oder auch nicht) …
TouchAndGo.jpgIm Loft ist der Rest der untergehenden Postpunk-Szene versammelt. Ich glaube, die Döring feiert Geburtstag. Und so kündigt sie uns auch bald ihre neue Lieblingsband “Die Ärzte” an. Farin, Bela und Sahnie schrammeln ihren Funpunk runter, während wir irgendwo hinten rumhängen und Becks trinken. Meine eigene Band nennt sich “Party Pills”, sehr passend zu Bekanntheitsgrad und bevorzugter Freizeitbeschäftigung. Jung meint, dass mir Wenders ein Autogramm auf die Doppelgängerbrille kratzen sollte, wo selbiger doch gerade gelangweilt direkt vor uns steht. Ich verzichte aber auf solcherlei Peinlichkeit und stecke mir lieber noch eine Gitanes an.


Die Dinger waren damals noch ohne Filter gefüllt mit schwarzen Tabak und in Verbindung mit ebensolchen Kaffee auch vorzüglich geeignet, die allmorgendliche Sitzung zeitnah und streßfrei zu bewältigen. Aber normalerweise steht man ja als Student der Kommunikationswissenschaftlichen Grundlagen von Sprache und Musik sowieso nicht früher als neun Uhr auf. Nur die Arbeitsvermittlung “Telefoniere und Studenten machen alles” (Die hießen wirklich so) könnte mir morgen schon um Sieben eine Losnummer verticken. Der Hauptgewinn wäre dann, unter die ersten Zehn zu kommen, mit sicherer Chance auf ‘nen Job. Bei Pech Brot für Neun Mark Fünfzig die Stunde herunterfallende Weißbrote aufs Fließband legen. Oder angeschimmlige Rote Grütze aus der defekten Kühlkammer bei Pfennig’s entsorgen. Am besten kommt noch Kataloge austragen bei der Post. Im Prinzip braucht man aber eigentlich gar nicht zu arbeiten. Oder nicht so viel, denn die Vierzig Quadratmeter Hinterhaus ungeheizt kosten gerade mal Hundert Piepen und der Mensofraß geht auch kaum ins Geld. Dafür kaufe ich mir ab und an ein paar Platten. Von A wie Abwärts bis Z wie Zounds.
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1989

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