Ostsee

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Am Bahnhof von Wismar steht schon das deutschnationale Begrüßungskomitee in gewichsten Springerstiefeln. Doch wir lassen uns nicht beirren, schieben erstmal ‘ne Pizza ein und radeln, bevor die Bürgersteige hochgeklappt werden, ins Resopal-verkleidete Schwedenhaus. Am nächsten Morgen ein Abstecher zum Hafenkirmes und weiter auf dem Radwanderweg Richtung Kühlingsborn. Als Übernachtung bietet sich Urlaub beim Schmied an. Ein herzhaftes Frühstück in der Stadtbäckerfiliale. Hinter Heiligendamm kommt kurz die Sonne heraus, und lädt ein zum erfrischenden Bad im Meer. Später noch Spaziergang durch Warnemünde und dann mit der S-Bahn nach Rostock und dem Regional-Proleten-Express gen Heimat. Willkommen in Berlin, elender Moloch, schon hast du uns wieder.

Die Seele ist ein weites Land

Außer Fußball gab es natürlich auch noch den Tatort am Sonntag. Die tötliche Tagung war zwar eine Wiederholung von vor sechs Jahren, kam dafür von der Festplatte aber umso frischer daher. Also nichts wie ab in die Dampfkammer des Luxushotel. Da liegt auch schon die Ingrid herztot und muskelerschlafft (Mord?) in der Supernova Deluxe. Anscheinend wurde sie vorher von ihrem Mann als Turbo-Sperma Versuchskaninchen missbraucht und büßte darauf den Eierstock ein. Das ganze medizinische Drama als Nebenwirkung des Konkurrenzkampfs zwischen Pharmaindustrie / Wissenschaft. Dann war es aber doch die eifersüchtige Heidi. Und bringt den Angeschmachteten und sich selbst auch noch am Schluß um.

Zwei zu Null

krautfuck2008.jpgNoch hat/ist Polen nicht verloren. Die Roten mit dem Adler vorne drauf sind jedenfalls ganz gut motiviert. Frühmorgens vom Trainer mit Bob Marley Musik geweckt, geht es gleich kraftvoll zur Sache. Nutzt aber nichts, Podolski sichert (mit einem Fuß im Abseits) die Führung fürs Jogi-Team. Nach der Pause erstmal Chaos im deutschen Mittelfeld, was erst aufgelöst wird, nachdem der Lukas nochmal einhaut. Diesmal nach Vorarbeit von Schweini und Klose. Das Spiel ist aus, auf der Straße hupt der motorisierte Automob. Und feiert, daß mit drei Punkten das Achtelfinale ja schon so gut wie gemeistert ist. Na toll.

Sieben Weblogthemen

Bei den Kategorien habe ich mich inzwischen schon auf fünf beschränkt. Doch auch inhaltlich lässt sich mühelos noch einiges optimieren. Habe dazu mal schamlos den Wired Artikel übersetzt und ein bisschen nach eigenem Gusto umgeschrieben.
1. Sich aufregen!
Schlimme Dinge passieren. Auf der Welt, im Internet und natürlich in der bevorzugten Fernsehshow. Also, nix wie ran an die Tastatur und darüber berichten! Im Nu finden sich Leser, die ihrerseits Kommentare posten und bestimmt derselben Meinung sind. So schnellen die Zugriffsstatistiken auf beiden Seiten in die Höhe, was sowieso das allerwichtigste ist.
2. Konsumieren!
Nachdem uns jahrelang die Industrie mit Werbung bombardiert hat, ist langsam die Zeit gekommen, daß wir uns gegenseitig die neuesten überteuerten nutzlosen Gadgets und überproduzierten Hollywoodfilme aufschwatzen. Und uns hinterher vielleicht nicht mehr ganz so einsam fühlen.
3. Tiere sind putzig!
Keiner mag Tiere, die sich wie Tiere verhalten. Das Filmchen, wo die Katze das Vögelchen totbeißt, ist nun wirklich nicht der Brüller. Lieber sollen die Viecher wie Menschen erscheinen, abgesehen von ihrer etwas undeutlicheren Aussprache. In dieselbe Kategorie passen natürlich auch Kleinkinder und Greise (unter acht bzw. über 80 Jahre alt).
4. Leute sind blöd!
Welches Video bekommt am meisten Aufmerksamkeit? Die Dokumentation der ehrenamtlichen Arbeit in der örtlichen Suppenküche, ein Vortrag beim Symposium oder der waghalsige Einkaufswagen-Stunt inklusive siebenfach gebrochenen Arm? Klar, so wie Tiere möglichst schlau sein sollen, damit wir sie gernhaben, erheitern wir uns am ehesten an der Dummheit unserer Mitmenschen.
5. Ich mag das, nur anders!
Neue Erfahrungen kultureller Art zu machen kostet viel Geduld und macht unnötig Mühe – vonwegen Texte lernen und handelnde Personen im Gedächtnis behalten. Viel einfacher hingegen, dem Bewährten ein neues Outfit verpassen. Jedes Musikvideo läßt sich mit Marionetten nochmal nachspielen, zumal die original Akteure ja auch nur dumm rumgehampelt haben. Auf ungewöhnlichen Instrumenten dargeboten (gefurzt, gerülpst oder meinetwegen in der Version des Kondomblasorchester vom Frankfurter Bahnhofsklo) erlangt der Song die volle Aufmerksamkeit. Und irgendwann wird auch das Original überraschenderweise wiederentdeckt.
6. Verrückte Wissenschaft!
Im Grunde gibt es nur zwei Typen von Forschung: Die eine ist begrüßungswert, die andere hingegen total verabscheuungswürdig. Im letzteren Fall sollte man einen Link setzen und seinen Unmut zum Thema äußern. Bei Zustimmung aber gilt es, sich darüber zu mokieren, dass die Leute im Institut auch noch Geld damit verdienen, wo die dargestellten Ergebnisse doch ganz offensichtlich und für jeden halbwegs intelligenten Menschen schon lange auf der Hand lagen.
7. Ich, der Blogger!
Irgendwann gelangt man an den Punkt, wo Egoismus und eigene Leistung zwar das Selbstwertgefühl stärken, aber im Grunde nur unnötig Arbeit bedeuten. So ist es dann doch auf Dauer einfacher, Hoffnungen und Ängste im Zaum zu halten und lieber in irgendeiner Web Community hunderte von Friends zu adden. Hätte Oscar Wilde damals gebloggt, dann als Dorian Gray. Und sein Bild bestimmt nicht bei Flickr reingestellt.

Pifama

Mal wieder ein Tatort mit Bürgerwehr gegen vermeintlichen Kinderschänder. Hatten wir in ähnlicher Form ja vor nicht allzulanger Zeit schonmal. Dafür aber sind anlässlich der siebenhundertsten Folge in Leipzch auch noch neue Ermittler am Start: Powerfrau Eva (Typ: Tina Turner 1975) zusammen mit passenden Ex-Mann Keppler. Der ist ultracool, grüßt die Kollegen nicht, ist aber dafür anscheinend ein kriminologisches Genie. Wie er zur Aufklärung des Falls mal eben die Hinterhausgärten durchquert und Mülltonnen durchwühlt ist voll Action Movie. Dann denkt er am Schreibtisch noch ein bisschen laut nach und schon ist der Täter gefasst. Dieser war wohl selber mal Pädophilie-Opfer, deshalb der tödliche Messerstich gegen den Erzieher am Anfang. Der hat eigentlich nur ein paar schwule Fotos von seinen Schützlingen gemacht, was bei engagierter Jugendarbeit irgendwie dazugehören sollte.

Krumme Hunde

Dr. Prof. Börnes vermeintlicher Halbbruder und Privatdetektiv fällt halbnackt blutüberströmt mit dem Gesicht in die Säure. Alberich nimmt sich der nun herrenlos gewordenen Dogge Wotan an. Die zufälligerweise gerade den Rassekampfhund vom Tätowierer aus Weißrussland vergewaltigt hat. Die Spur wegen des Mordes aber führt in die kurz vor der Insolvenz stehenden Firma, wo der Werksleiter die Sekretärin vögelt und deswegen im Auftrag der Ehefrau observiert wurde. Aber nicht die ganzen Tonkassetten mit Gestöhne interessieren dann irgendwen, sondern nur das Hörspiel mit dem Beweis, dass die Firmenpatente verhökert werden sollen. Der Pensionär vom Betriebsrat hat das auch mitbekommen und wird mal eben mit abgelaufenen Medikamenten vergiftet. Die anderen essen derweil Bohnen mit Mettwurst, führen Kunststückchen im Motorsegler vor oder legen sich unfreiwillig in den Kühlschrank der Rechtsmedizin. Und so wird’s am Schluß für Thiel auch noch recht hektisch, die Täter zu ergreifen. Sodaß er kaum mehr Zeit findet, seine Stief-mutter endlich mal kennenzulernen.

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Crash Test Dummies

Zum Anfang erstmal ein sehr seltsamer Johann Strauß Walzer. Wahrscheinlich die GEMA-freie Filmmusikkomponistenversion.
Der Winzerkönig kümmert sich in dieser Folge des Tatorts um vereinsamte Omas, fahndet nach verschwundenen Leichen zwischen Linz Graz und Wien und bandelt mit Frau Doktor von der Pathologie an.
Die natürlich, wie man dann auch Drehbuch-logisch befürchten musste, alsbald mit durchgeschnittener Kehle darniederliegt. Der arrogante Manager von der Versicherung steckt natürlich hinter all dem. Dessen noch-nicht-Ex-Frau half ihm in Hoffnung auf irgendeine doch gemeinsame Zukunft oder so. Die ausgeflippten Studenten im Transportservice waren hinter dem Geld her. Und Professor Frankenstein wollte eigentlich nur der Wissenschaft dienen.

Blätterteigtaschen mit Huhn

Das folgende Rezept hat infolge eines Sommerurlaubs auf Malta (sozusagen als Souvenir) den Einzug in unsere Küche gehalten. Bis auf den Roséwein, der damals noch zwingend dazugehörte, hat es sich im Laufe der Jahre kaum verändert und ist quasi schon zum kulinarischen Standard auf Geburtstagsparties geworden.

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1978 (Teil 4)

Was bisher geschah (oder auch nicht) …
quo.jpgAusser zum Baden gehen wir alle natürlich noch brav zur Heinrich-von-Kleist. Und bevor die 10.3 fast geschlossen zum Oberstufenzentrum Halemweg flüchten wird, sind noch ein paar Monate gymnasialer Mittelstufe zu absolvieren. In der Deutschlandhalle haben gerade Status Quo gespielt und damit genau die Hintergrundmusik zu unserer Weiterbildung weiteren Verblödung geliefert. So stehen wir also eines Tages breitbeinig (im Bild: Andreas und Frank) wie Rick Parfitt/Francis Rossi auf dem Spielplatz im Großen Tiergarten, singen “Oho-ohoho” und warten auf den Sonnenuntergang. Und eigentlich auch auf die Fortsetzung der eigenen Lebensgeschichte. Doch so wie mit dem Bus, der mit absoluter Wahrscheinlichkeit entweder seltener oder öfter in der anderen Richtung zuerst eintrifft, kommt es dann nicht. Von wegen alles quasi unabänderlich vorherbestimmt. Wäre auch bestimmt zu langweilig.
(Fortsetzung folgt)

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